Der Europäische Biber – ein grosser Landschaftsarchitekt

Nach und nach breitet sich der Biber schüssaufwärts aus und nimmt wieder seinen Platz in der Juralandschaft ein. Dabei wäre das grösste Nagetier der Schweiz vor einigen Jahren fast ganz von unserer Landkarte verschwunden. Heute steht der Biber nicht mehr auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere.

Auch wenn der Biber heute nicht mehr auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten steht, sah die Lage zu Beginn des 19. Jahrhunderts ganz anders aus. Aufgrund seines zarten Fleischs, seines dichten Fells und seiner in der Medizin verwendeten Drüsen wurde er gejagt und in der Schweiz vollständig ausgerottet. Hierzulande gehen die Initiativen für eine Rückkehr des Bibers auf Privatpersonen und Tierfreunde zurück. Die Massnahmen entspringen dem Wunsch nach einer Art Wiedergutmachung. Zwischen 1956 und 1978 wurden also in den Kantonen Neuenburg, Waadt, Wallis, Aargau und Thurgau Biber ausgewildert. Die Tiere stammten aus verschiedenen Ländern: Frankreich, Norwegen und Russland. Ihre Wiederansiedlung gilt als seltener Erfolgsfall. Dennoch zeigen sich im Nachhinein einige Probleme im Zusammenhang mit den Auswilderungen, denn die Orte der Freilassungen waren nicht immer an die Bedürfnisse der Art angepasst, und die Tiere wurden nicht alle auf einmal ausgewildert, sondern nur vereinzelt. Gleichzeitig traten weitere Schwierigkeiten auf: Krankheiten, Kämpfe unter Artgenossen und auch der Strassenverkehr. So haben sich von den 141 Bibern, die in die freie Natur entlassen wurden, nur 82 Exemplare dauerhaft angesiedelt. Die daraus resultierende geringe genetische Vielfalt der Biberpopulation erfordert eine ständige Beobachtung der Art. Dennoch breitet sich der Biber in der Schweiz nach und nach aus: Im Jahr 2022 wurden 4'900 Tiere gezählt – ein grosser Erfolg.

 

Immer hungrig

Das grösste Nagetier der Schweiz richtet sein Revier in kleineren Gewässern mit einer geringen Durchflussmenge und einer Tiefe von mindestens 50 cm ein. Das Wasser erfüllt dabei eine doppelte Funktion: Es ermöglicht dem Biber, sich vor seinen Fressfeinden zu verstecken, indem er Eingänge zu seinen Wohnhöhlen anlegt, die nur über das Wasser zugänglich sind. Ausserdem kann er im Wasser Holz leichter transportieren und Dämme bauen. Dies ermöglicht seine Arbeit als Landschaftsarchitekt: Er fällt Bäume, kürzt Büsche, errichtet Dämme, staut das Wasser, verlangsamt den Fliessgewässerstrom usw. Verschiedene Studien haben aufgezeigt, dass sich die vom Biber besiedelten Fliessgewässer äusserst positiv auf die Biodiversität auswirken.

Um sein Gewicht von fast 20 kg zu halten, benötigt der Biber eine hohe Kalorienzufuhr. Obwohl er sich rein vegetarisch ernährt, hängt seine Ernährung stark von der jeweiligen Jahreszeit ab: Im Sommer ernährt er sich von krautigen Pflanzen, im Winter bevorzugt er hingegen die Rinde und die Triebe von Gehölzen. Je nach Jahreszeit nimmt er täglich zwischen einem und zwei Kilogramm Nahrung zu sich.

 

Familiengründung und Reviersuche

Im Januar und Februar ist Paarungszeit. Nach einer Tragzeit von 105 Tagen bringen die Weibchen ein bis vier Junge zur Welt. Diese werden sechs bis acht Wochen lang gesäugt und können schon sehr bald feste Nahrung zu sich nehmen. Nach zwei Jahren im Familienverbund müssen die Jungtiere das Familienrevier verlassen und sich einen neuen Lebensraum suchen.  Dieser Schritt gestaltet sich oft sehr schwierig, denn einerseits gibt es immer weniger geeignete Lebensräume (zum Beispiel, weil die Wege durch Wasserkraftwerke oder landwirtschaftliche Betriebe blockiert sind), andererseits werden sie häufig von Artgenossen oder Hunden vertrieben. Wenn ihre Wanderung reibungslos verläuft und sie ein Revier finden, kann ein Tier bis zu 21 Jahre alt werden.

 

Im Jura auf dem Vormarsch

Der vor allem am Bielersee anzutreffende Biber breitet sich nach und nach auch schüssaufwärts aus. Es liegen zwar keine offiziellen Bestandszahlen vor, aber die Präsenz des Nagetiers auf dem Plateau de Diesse ist ebenfalls nachgewiesen. 

 

Ein Biber als Nachbar – eine Herausforderung fürs Zusammenleben

Der Biber gestaltet die Landschaft nach seinen Vorstellungen und verändert sie so, dass sie seiner Lebensweise entspricht. Der so geschaffene Lebensraum ist zwar reich an Biodiversität, die Umgestaltung des Raums kann jedoch zu Interessenkonflikten führen. Überflutete Felder, Biberbauten in Entwässerungskanälen oder untergrabene Landwirtschaftswege, die bei der Passage eines Traktors womöglich einstürzen, sowie umstürzende Bäume – all das sind Herausforderungen, die mit der Anwesenheit von Bibern einhergehen. Die Natur braucht etwas Platz und unsere Toleranz. Manchmal sind jedoch konkrete Massnahmen erforderlich, um das Zusammenleben zu erleichtern, zum Beispiel der Schutz von Bäumen oder Feldern und die Schaffung von Pufferzonen an Ufern. Bund und Kantone leisten durch Entschädigungszahlungen Unterstützung. Denn schliesslich kann die Anwesenheit eines Bibers, der gerne Feuchtgebiete anlegt, angesichts künftiger Dürreperioden von entscheidendem Vorteil sein.

 

Quellen / weitere Informationen:

Zurück zur Newsübersicht