Aufwertung der Siedlungsränder in Val-de-Ruz

Val-de-Ruz ist mit 17'500 Einwohnerinnen und Einwohnern die bevölkerungsreichste Mitgliedsgemeinde des Parks. In zahlreichen Bereichen arbeitet sie eng mit diesem zusammen. Roby Tschopp, Gemeinderat seit 2017, spricht über die Projekte im Zusammenhang mit den Siedlungsrändern, die Entwicklung von La Vue-des-Alpes und die Rolle des Naturparks als Partner.

Seit 2015 arbeiten die Gemeinde Val-de-Ruz und der Naturpark Chasseral zusammen, um das Konzept «Siedlungsränder» in die Ortsplanung der Gemeinde zu integrieren. Dieser Ansatz brachte Val-de-Ruz 2022 die Auszeichnung als «Landschaft des Jahres» ein. Das Projekt zielt darauf ab, das ländliche Erbe zu bewahren und Pufferzonen zwischen Natur und Siedlungsgebiet zu gestalten. Es handelt sich um eines von zahlreichen Projekten, welche die beiden Partner in dieser Gemeinde mit mehr als 17'500 Einwohnerinnen und Einwohnern – der bevölkerungsreichsten Mitgliedsgemeinde des Parks – durchführen.


Roby Tschopp, Gemeinderat seit 2017, spricht über die Vorteile dieses ungewöhnlichen Ansatzes, die touristische Entwicklung von La Vue-des-Alpes und die Rolle, die der Naturpark bei der Begleitung dieser Projekte spielt.

 

Wie kam es 2015 zur Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Val-de-Ruz und dem Naturpark Chasseral im Hinblick auf das Konzept «Siedlungsränder»?

Das Konzept Siedlungsränder entstand rund um die Alleen und Obstgärten, die bis heute in fast allen der 17 Dörfer der Gemeinde vorhanden sind. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des alten landwirtschaftlichen Gefüges der Region. Angesichts der fortschreitenden Urbanisierung wurde im Jahr 2015 erkannt, dass es an der Zeit war, dieses Gefüge zu erhalten. Zudem wurden umfassendere Überlegungen angestellt. Dabei ging es um die unmittelbare Nachbarschaft von Anbauflächen und Wohngebieten. Innovativ ist dabei der Wille zur Bewahrung eines bestehenden Kulturerbes und nicht die Schaffung einer neuen Dynamik.

Das Konzept «Siedlungsrand» wird meist im Zusammenhang mit Grossstädten verwendet, hier betrifft es jedoch ein ländliches Gebiet. Welche Besonderheiten und Herausforderungen gibt es in Val-de-Ruz bei der Bewirtschaftung dieser Pufferzonen?

Die Dörfer und Weiler von Val-de-Ruz bestehen aus 20 bis 25 Siedlungseinheiten – eine ganze Menge. Das Ziel bestand darin, für jeden dieser Siedlungsbereiche, der entweder in die Landschaft oder in weniger bewirtschaftete Naturgebiete wie beispielsweise einen Bergrücken eingebettet ist, zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, einen Siedlungsrand zu bilden. Im Vergleich zu grossen städtischen Gebieten gehen wir hier mit viel Fingerspitzengefühl vor.

Sie haben das Prinzip der Siedlungsränder in Ihre Ortsplanung (OP) integriert. Wie lassen sich freiwillige Aufwertungsmassnahmen und die gesetzlichen Auflagen für die Eigentümerinnen und Eigentümer harmonisch miteinander in Einklang bringen?

Es fehlt noch an Erfahrung, da die Auflagen erst dann greifen, wenn in den betroffenen Gebieten die ersten Baubewilligungen erteilt werden. Wir haben einen flexiblen Mechanismus eingerichtet, der verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten zulässt, wie zum Beispiel die Pflanzung einer Hecke aus einheimischen Gehölzen oder die Anlage eines Teiches. Es handelt sich nicht um starre Auflagen. Ich bin zuversichtlich, da die öffentliche Auflage keine Einsprüche zur Folge hatte. Es wurden lediglich ein oder zwei Fragen aufgeworfen, insbesondere in Bezug auf die Wegrechte für landwirtschaftliche Maschinen zu den Feldern. Dieser Zugang ist selbstverständlich gewährleistet.

Im Jahr 2022 wurde die Gemeinde von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz als «Landschaft des Jahres» ausgezeichnet. Was bedeutet diese Auszeichnung für die Behörden und die Bevölkerung von Val-de-Ruz?

Für die Behörden hatte dies definitiv Auswirkungen, insbesondere durch die Studien, die dem Preis zugrunde lagen, sowie durch die formale Anerkennung dieses Landschaftselements. Es erleichterte die Gespräche und die Abstimmung zwischen dem Kanton und der Gemeinde, unter anderem in Bezug auf die Baumreihen und Alleen entlang der Strassen. Was die Bevölkerung betrifft, lässt es sich schwerer einschätzen. Fest steht jedoch, dass es seit vier bis fünf Jahren zu keinen Sachbeschädigungen an den Alleebäumen mehr gekommen ist. Ob das mit dem Landschaftspreis zusammenhängt, lässt sich schwer sagen.

Welche konkrete Aufgabe hat der Naturpark Chasseral bei der Umsetzung so vielfältiger Projekte wie der Sanierung von Trockenmauern, der Anlage von Obstgärten oder der Instandsetzung von Zisternen?

Er unterstützt uns in zweierlei Hinsicht: Einerseits stellt er Fachleute aus den Bereichen Natur und Landschaft zur Verfügung, über die die Gemeinde nicht verfügt. Andererseits gewährleistet er die Umsetzung der geplanten Massnahmen. Das Parkteam weiss, welche Schritte unternommen werden müssen und geht proaktiv auf neue Vorschläge ein. Da die Prioritäten der beiden Institutionen nicht immer übereinstimmen, müssen sie sich über den Zeitplan und den Umfang der Projekte einigen. Das kann manchmal frustrierend sein – auf beiden Seiten. Es ist jedoch ein durchaus gesunder Prozess.

Eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung, beispielsweise durch die Wiederinbetriebnahme von Brunnen und Zisternen, wird immer wichtiger. Inwiefern sichern diese Massnahmen zur Regenwassernutzung, insbesondere in Le Pâquier, die Zukunft der lokalen Landwirtschaft angesichts von Dürreperioden?

Diese Arbeitsschwerpunkte werden in Form von Pilotprojekten umgesetzt. Durch sie können wir praktische Erfahrungen sammeln und evaluieren, ob mittelfristig eine Umsetzung im grösseren Massstab möglich ist. Zudem können wir so ermitteln, in welchen Kontexten weitere Projekte sinnvoll sind.

Das Gebiet La Vue-des-Alpes ist ein wichtiger Standort für den regionalen Tourismus. Welche Prioritäten setzt die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Naturpark, um dieses Gebiet zu beleben?

Ich denke, von Seiten der Gemeinde haben wir ziemlich klare Vorstellungen: Das Hotel-Restaurant muss mit seiner Wiedereröffnung Übernachtungen verzeichnen, denn das ist der wichtigste Tourismus-Indikator. Um dieses zentrale Element herum sollen weitere privat betriebene Attraktionen entstehen, die zusätzlich zur Sommerrodelbahn Gäste anziehen. Denn die Gemeinde ist kein Tourismusbetreiber und beabsichtigt auch nicht, einer zu werden. Ausserdem werden wir in Kürze einen brandneuen Rundwanderweg mit Start am Pass einweihen. Dieses Projekt wird vom Naturpark Chasseral geleitet. Zudem arbeiten wir daran, den Zugang mit dem öffentlichen Verkehr zu verbessern. Es gibt eine Prioritätenliste, und die Plattform «Vues-des-Alpes 360°» ist eingerichtet. Die Dinge werden in den nächsten Jahren also zügig vorankommen.

Werfen wir einen Blick auf das Jahr 2030: Wie wird sich das Erscheinungsbild von Val-de-Ruz angesichts all der Projekte, die dieser Raumplanungspolitik geschuldet sind, verändert haben und wie wird sich dies in der Landschaft bemerkbar machen?

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass dies auf spektakuläre Weise sichtbar sein wird. Wir ergreifen vor allem Massnahmen zum Erhalt des Bestehenden, wie beispielsweise an den Siedlungsrändern oder bei Neubauten.  Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung sagen wird: «Wow, sie haben diesen Obstgarten erhalten oder diese neue Hecke angelegt.» Ich bin jedoch überzeugt, dass es der Qualität unserer Landschaft geschadet hätte, wenn wir nicht in diese Richtung gearbeitet hätten. Der Erhalt des Status quo wäre für mich daher ein sehr positives Ergebnis.

Welche der gemeinsam mit dem Park durchgeführten Massnahmen war für Sie persönlich am wichtigsten?

Die Übertragung der Siedlungsränder in die Ortsplanung (OP). Das Konzept Siedlungsränder war anfangs etwas verworren und schwer zu greifen. Wir mussten uns damit vertraut machen und es weiterentwickeln, um die strengen Vorgaben eines Reglements mit einer ausreichend flexiblen und praktikablen Umsetzung in Einklang zu bringen. Wir waren damals die erste und sind vielleicht immer noch die einzige Gemeinde im Kanton, die dies gemeinsam mit dem Raumplanungsamt offiziell geregelt hat. Das war für mich umso eindrücklicher, als es eine der ersten Herausforderungen war, mit denen ich mich als Gemeinderat auseinandersetzen musste.

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